Google KI-Modus: Was er kann und wie Sie ohne KI suchen
Seit Oktober 2025 beantwortet Google Suchanfragen auch in Deutschland im Dialog. Wie Sie den KI-Modus öffnen, wo er irrt, was er speichert und warum er sich nicht abschalten, aber umgehen lässt.

Dieser Beitrag ist ein Überblick auf Grundlage von Anbieterangaben, Dokumentation und öffentlich zugänglichen Berichten, kein benoteter Test aus eigener Hand. Preise und Funktionen ändern sich schnell; maßgeblich sind die Angaben des Anbieters. Benotet wird nur, was wir selbst über Wochen im Einsatz hatten: diese Werkzeuge stehen unter KI-Tools im Vergleich.
KI-Modus und „Übersicht mit KI“: zwei verschiedene Dinge
Google hat in Deutschland zwei KI-Funktionen in die Suche eingebaut, die oft verwechselt werden. Die „Übersicht mit KI“ gibt es seit dem 26. März 2025: ein Kasten über den gewohnten Suchergebnissen, der die Antwort in ein paar Absätzen zusammenfasst. Darunter folgen weiter die blauen Links.
Der KI-Modus ist seit dem 8. Oktober 2025 in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar und geht weiter. Er ersetzt die Ergebnisliste durch eine Unterhaltung: Man stellt eine Frage, bekommt eine ausformulierte Antwort mit Quellenlinks und kann nachhaken, ohne von vorn anzufangen. Im Hintergrund zerlegt Google die Frage in Unterthemen und sucht zu allen gleichzeitig; Google nennt das „Query Fan-out“.
Die Antworten erzeugt eine angepasste Fassung von Googles Sprachmodell Gemini. Seit Mai 2026 ist Gemini 3.5 Flash das Standardmodell; stärkere Modelle können Abonnenten von Google AI Pro und Ultra von Hand wählen, zuerst allerdings für englischsprachige Anfragen.
So öffnen Sie den KI-Modus
Es gibt vier Wege. Unter dem Suchfeld auf google.de steht die Schaltfläche „KI-Modus“, und nach einer normalen Suche erscheint er als Reiter neben „Bilder“ und „News“. Direkt erreichbar ist er unter google.com/ai. In der Google-App für Android und iOS gibt es ein eigenes Symbol, und in Chrome sitzt eine Schaltfläche rechts in der Adressleiste.
Fragen lassen sich tippen, einsprechen oder mit einem Foto stellen, etwa von einer Pflanze oder einem Typenschild. Seit dem 26. März 2026 gibt es in der Google-App außerdem „Search Live“: ein gesprochener Dialog, bei dem die Kamera zeigt, worum es geht. Die früheren Unterhaltungen stehen in einer Seitenleiste, sofern der Verlauf eingeschaltet ist.
Einige Funktionen, die Google in den USA vorführt, fehlen hierzulande noch. Die gründliche Recherche „Deep Search“ gibt es nur auf Englisch und im Abo, Tischreservierungen durch den KI-Modus hat Google im April 2026 auf acht Länder ausgeweitet, Deutschland gehört nicht dazu.
Wo er hilft, und wo er irrt
Stark ist der KI-Modus bei Fragen mit mehreren Bedingungen, für die man sonst fünf Suchen bräuchte: eine Wanderung unter drei Stunden, mit Kinderwagen, erreichbar mit der Bahn. Er fasst zusammen, vergleicht und nennt die Seiten, auf die er sich stützt. Für eine erste Orientierung spart das Zeit.
Die Schwäche teilt er mit allen Sprachmodellen: Er formuliert auch dann flüssig, wenn er falsch liegt. Wie teuer das werden kann, zeigt ein Fall aus der „Übersicht mit KI“, die auf derselben Technik beruht. Das Landgericht München I hat Google am 28. Mai 2026 per einstweiliger Verfügung untersagt, zwei Münchner Verlage in KI-Zusammenfassungen fälschlich mit Betrug in Verbindung zu bringen; die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.
Für Gesundheit, Geld und Recht gilt deshalb: die verlinkten Quellen öffnen, bevor man handelt. Wer vor allem belegte Antworten sucht, ist mit Perplexity gut bedient, das jede Aussage mit einer Fußnote versieht; auch ChatGPT durchsucht auf Wunsch das Netz. Welcher Assistent wofür taugt, steht im Beitrag über ChatGPT-Alternativen.
Abschalten: offiziell nicht vorgesehen
Einen Schalter, der den KI-Modus oder die KI-Übersichten dauerhaft abstellt, gibt es nicht. Googles Hilfeseite sagt es klar: Die Suchfunktionen lassen sich nicht deaktivieren, man kann aber den Filter „Web“ auswählen. Der KI-Modus erscheint ohnehin nur, wenn man ihn aufruft; die Übersicht mit KI dagegen blendet Google bei vielen Anfragen von sich aus ein.
Nur die Schaltfläche in Chrome lässt sich entfernen: mit einem Rechtsklick in die Adressleiste und einem Klick auf „KI-Modus immer anzeigen“, damit der Haken verschwindet. Die Suche selbst ändert das nicht.
Drei Wege zur Google-Suche ohne KI
Der einfachste Weg ist der Filter „Web“. Er steht nach einer Suche in der Reiterleiste, manchmal hinter „Mehr“, und zeigt nur die klassische Liste der Webseiten, ohne KI-Kasten und ohne Infoboxen. Technisch hängt er an die Suchadresse den Zusatz udm=14 an.
Dauerhaft wird daraus etwas, wenn man eine eigene Suchmaschine im Browser anlegt. In Chrome geht das unter Einstellungen, Suchmaschine, „Suchmaschinen und Websitesuche verwalten“, Hinzufügen: Als Adresse tragen Sie https://www.google.com/search?q=%s&udm=14 ein und legen den Eintrag als Standard fest. Firefox, Edge und Safari mit einer passenden Erweiterung bieten dasselbe. Laut aktuellen Anleitungen funktioniert der Trick im September 2026 weiterhin; eine Garantie gibt Google dafür nicht.
Unzuverlässig ist dagegen der verbreitete Tipp, „-ai“ an die Suchanfrage zu hängen: Mal verschwindet der Kasten, mal nicht, und die Suche wird dadurch ungenauer. Wer ganz aussteigen will, wechselt die Suchmaschine; auch dort lohnt ein Blick in die Einstellungen, denn KI-Antworten bieten inzwischen viele an.
Was Google speichert
Unterhaltungen im KI-Modus landen im Verlauf, sofern er eingeschaltet ist. In der Seitenleiste lassen sie sich einzeln oder mit „Alle löschen“ entfernen; Google weist darauf hin, dass gelöschte Einträge noch eine Weile unter „Meine Aktivitäten“ auftauchen können. Wer das automatisch regeln will, stellt unter myactivity.google.com eine Löschfrist von drei, 18 oder 36 Monaten ein.
Google verwendet die Interaktionen nach eigenen Angaben, um den Dienst zu verbessern. Seit Mai 2026 lässt sich der KI-Modus auf Wunsch zusätzlich mit Gmail und Google Fotos verbinden, damit er persönliche Fragen beantworten kann; das ist freiwillig und setzt ein Alter von 18 Jahren voraus. Vertrauliche Angaben gehören wie bei jedem KI-Dienst nicht ins Suchfeld; die Grundregeln stehen im Beitrag zu DSGVO und AI Act.
Werbung innerhalb der KI-Antworten testet Google bislang nur in anderen Märkten. In Deutschland sind im KI-Modus Stand September 2026 keine Anzeigen bestätigt.
Streit um die Klicks
Für Webseiten ist der KI-Modus ein Problem, weil weniger Menschen auf die Quellen klicken. Das Pew Research Center maß im Juli 2025 in den USA, dass Nutzer nur bei 8 Prozent der Suchen mit KI-Zusammenfassung auf ein Ergebnis klicken, ohne Zusammenfassung bei 15 Prozent. SISTRIX fand im Februar 2026 für Deutschland, dass die Klickrate auf Platz eins von 27 auf 11 Prozent fällt, wenn eine Übersicht mit KI darüber steht.
Sechzehn Verbände und Organisationen, darunter der Zeitungsverlegerverband BDZV und der Journalistenverband DJV, haben im September 2025 bei der Bundesnetzagentur Beschwerde nach dem Digital Services Act eingelegt. Die EU-Kommission prüft seit Dezember 2025 wettbewerbsrechtlich, wie Google Inhalte von Verlagen für seine KI-Antworten nutzt, und die Medienanstalten sehen die KI-Suche seit Juli 2026 als Angebot, für das deutsches Medienrecht gilt. Ausgang offen.
Für wen sich der KI-Modus lohnt
Für Planungsfragen mit vielen Bedingungen, für den schnellen Überblick über ein unbekanntes Thema und für Fragen zu einem Foto ist der KI-Modus ein echter Fortschritt gegenüber der Linkliste. Für die Suche nach einer bestimmten Webseite, nach aktuellen Nachrichten oder nach verlässlichen Zahlen bleibt die klassische Suche mit dem Filter „Web“ die bessere Wahl.
Wer ohnehin einen KI-Assistenten nutzt, bekommt ähnliche Antworten dort, mit mehr Kontrolle über Verlauf und Datennutzung. Alle getesteten Assistenten mit Noten und Datenschutzbewertung stehen in der Kategorie KI-Assistenten & Chatbots.
Kurzfassung: Der KI-Modus ist Googles Suche im Dialog, seit Oktober 2025 auf Deutsch. Er lässt sich nicht abschalten, aber umgehen: mit dem Filter „Web“ oder dauerhaft mit einer eigenen Browser-Suchmaschine, die &udm=14 anhängt. Quellen prüfen, Verlauf regelmäßig löschen, Vertrauliches nicht eintippen.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
Jean-Marc Mihoc arbeitet täglich mit KI-Werkzeugen und testet sie hier mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben, statt an Demos. Er schreibt auf, was dabei herauskommt, auch wenn es unspektakulär ist, und sagt bei jedem Werkzeug dazu, für wen es sich nicht lohnt.


