KI-Bilder bearbeiten: Fotos mit KI retuschieren, erweitern und verbessern
Störende Personen entfernen, den Hintergrund tauschen, ein altes Foto retten oder einfach sagen, was sich ändern soll: Welche Werkzeuge Bilder mit KI bearbeiten, was kostenlos geht und wo Recht und Datenschutz Grenzen ziehen.

Dieser Beitrag ist ein Überblick auf Grundlage von Anbieterangaben, Dokumentation und öffentlich zugänglichen Berichten, kein benoteter Test aus eigener Hand. Preise und Funktionen ändern sich schnell; maßgeblich sind die Angaben des Anbieters. Benotet wird nur, was wir selbst über Wochen im Einsatz hatten: diese Werkzeuge stehen unter KI-Tools im Vergleich.
Was KI-Bildbearbeitung heute kann
Die meisten Aufgaben, für die man früher Stunden in Photoshop brauchte, erledigt KI in Sekunden: Gegenstände und Personen entfernen, den Hintergrund freistellen, ein Bild über seinen Rand hinaus erweitern, eine kleine Datei hochrechnen, Rauschen entfernen, alte Fotos ausbessern. Neu ist seit 2025 die Bearbeitung per Satz: „Mach den Himmel abendlich“, „zieh ihm eine Jacke an“, „stell das Produkt auf einen Holztisch“.
Dafür gibt es zwei Wege. Der erste führt über einen Chat-Assistenten, dem man ein Foto und eine Anweisung gibt. Der zweite über ein Bildprogramm, in dem man die Stelle selbst markiert. Der Chat ist bequemer, das Programm genauer. Wer Bilder von Grund auf neu erzeugen will, findet die Werkzeuge dafür im Beitrag KI-Bilder kostenlos erstellen.
Per Anweisung: Gemini, ChatGPT und Le Chat
Den Durchbruch brachte Googles Bildmodell, das unter dem Spitznamen „Nano Banana“ bekannt wurde. In der Gemini-App ist seit Februar 2026 Nano Banana 2 das Standardmodell, auch im Gratistarif; das stärkere Nano Banana Pro gibt es ab dem Abo Google AI Plus. Jedes Bild trägt das unsichtbare Wasserzeichen SynthID und Herkunftsdaten nach dem Standard C2PA, in den günstigeren Stufen zudem ein sichtbares Gemini-Symbol. Eine feste Zahl kostenloser Bearbeitungen nennt Google nicht. Mehr zum Assistenten im Test von Gemini.
ChatGPT bearbeitet Fotos auch im Gratistarif, seit April 2026 mit einem schnellen Modus; mit dem Update vom 8. September 2026 bleiben Gesichter und Details nach Angaben von OpenAI über mehrere Bearbeitungsschritte hinweg stabiler. Le Chat von Mistral nutzt für die Bearbeitung seit Juli 2025 FLUX Kontext, ein Modell von Black Forest Labs aus Freiburg im Breisgau.
Ein Rat für alle drei: genau sagen, was bleiben soll. „Ändere nur den Hintergrund, Gesicht, Kleidung und Haltung bleiben unverändert“ verhindert, dass die KI eine Person unbemerkt verjüngt oder einen Schriftzug umschreibt. Das Ergebnis immer mit dem Original vergleichen.
Im Bildprogramm: Photoshop, Firefly und Lightroom
Adobe hat die Funktionen seiner Programme konsequent auf KI umgestellt. In Photoshop füllt, ersetzt und erweitert die generative Füllung markierte Bereiche; seit Oktober 2025 kann man dort neben Adobes eigenem Modell auch Nano Banana und FLUX Kontext wählen, eine Bearbeitung kostet dann zehn Credits. Seit März 2026 bündelt der Firefly Image Editor Füllen, Entfernen, Erweitern, Hochskalieren und Freistellen im Browser.
Adobe Firefly führt unsere Kategorie KI-Bildgeneratoren an, vor allem wegen der Rechtssicherheit: Adobe trainiert nach eigenen Angaben nicht mit den Inhalten seiner Kunden, sondern mit lizenziertem Material. Firefly Standard kostet laut Preisseite 10,98 Euro im Monat mit 2.000 Credits, Pro 21,99 Euro mit 4.000. Für Fotografen ist Lightroom der naheliegende Ort: „Generatives Entfernen“ und die KI-Rauschreduzierung gehören dort seit 2024 zum Standard.
Kostenlos und ohne Anmeldung
Für einzelne Aufgaben reichen Webdienste ohne Konto. remove.bg stellt Motive kostenlos frei, allerdings nur in kleiner Auflösung von rund 0,25 Megapixeln; die volle Größe kostet Credits. Cleanup.pictures entfernt Objekte ohne Anmeldung, exportiert gratis aber nur in 720p. Pixlr lässt sich ohne Konto öffnen, die KI-Funktionen verbrauchen jedoch ein begrenztes Guthaben.
Wer lieber ein vollwertiges Programm will: Affinity ist seit Oktober 2025 kostenlos, die KI-Funktionen darin setzen aber ein bezahltes Canva-Abo voraus. GIMP 3 ist frei, bringt aber keine generative KI mit. Zum Hochrechnen kleiner Bilder gibt es mit Upscayl ein Open-Source-Programm, das auf dem eigenen Rechner läuft und nichts hochlädt.
Die meiste Kontrolle bietet Stable Diffusion: Mit Oberflächen wie ComfyUI lassen sich Bereiche markieren und neu füllen, ohne Kontingent und ohne dass ein Foto den Rechner verlässt. Der Preis ist die Einarbeitung und eine leistungsfähige Grafikkarte.
Auf dem Smartphone und am PC
Oft ist das beste Werkzeug schon installiert. Auf dem iPhone entfernt „Bereinigen“ in der Fotos-App seit dem 31. März 2025 auch auf Deutsch störende Objekte, ab dem iPhone 15 Pro. Samsung-Geräte bieten mit Galaxy AI eine Fotobearbeitung, die weiterhin kostenlos ist und bearbeitete Bilder mit einem sichtbaren Symbol kennzeichnet. In Google Fotos lässt sich auf Android seit dem Sommer 2026 auch hierzulande per Sprache oder Text sagen, was sich ändern soll.
Unter Windows radiert die Fotos-App Objekte mit „Generatives Löschen“ weg; die generative Füllung in Paint bleibt PCs mit Copilot+-Kennzeichnung vorbehalten. Für Schnappschüsse genügt das meistens, für Produktfotos und Druck lohnt der Umweg über ein richtiges Bildprogramm.
Recht: Kennzeichnung, Recht am Bild, Passfotos
Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI Act. Anbieter müssen KI-Bilder maschinenlesbar kennzeichnen, und wer ein realistisches Bild einer Person, eines Ortes oder eines Ereignisses veröffentlicht, das echt wirkt, aber manipuliert ist, muss das als Deepfake offenlegen. Ausgenommen ist eine Bearbeitung, die nur unterstützt und den Inhalt nicht wesentlich verändert: Ein entfernter Mülleimer ist kein Deepfake, eine hineinmontierte Person schon.
Unabhängig davon gilt das Recht am eigenen Bild: Wer Fotos anderer veröffentlicht, braucht nach § 22 Kunsturhebergesetz in der Regel ihre Einwilligung, bearbeitet oder nicht. Schon das Hochladen eines Porträts zu einem KI-Dienst ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten.
Für Passfotos stellt sich die Frage nicht mehr: Seit dem 1. Mai 2025 werden sie in Deutschland nur noch digital angenommen, aufgenommen von zertifizierten Fotografen oder in der Behörde und gesichert übermittelt. Ein mit KI geschöntes Handyfoto lässt sich dafür nicht verwenden.
Wohin Ihre Fotos gehen
Wer Fotos zu einem KI-Dienst hochlädt, sollte wissen, was damit geschieht. Bei ChatGPT dürfen Inhalte privater Konten, Bilder eingeschlossen, zum Training verwendet werden, solange man die Einstellung „Das Modell für alle verbessern“ nicht abschaltet. Bei Gemini kann bei eingeschalteter Aktivität eine Stichprobe von Menschen geprüft werden; diese Inhalte bewahrt Google bis zu drei Jahre auf. Adobe schließt das Training mit Kundeninhalten für Firefly aus.
Für Familienfotos, Bilder von Kindern und alles Dienstliche ist deshalb ein Werkzeug auf dem eigenen Gerät die bessere Wahl, oder ein Tarif, der Training vertraglich ausschließt. Worauf Unternehmen achten müssen, steht im Beitrag zu DSGVO und AI Act.
Welches Werkzeug für welche Aufgabe
Für schnelle Änderungen per Satz ist die Gemini-App derzeit der einfachste Einstieg, ChatGPT die Alternative mit ähnlicher Qualität. Für präzise Retusche, Produktfotos und alles, was veröffentlicht wird, führt an Photoshop oder dem Firefly Image Editor kaum ein Weg vorbei. Zum Freistellen und Wegradieren einzelner Objekte genügen die Handy-Galerie oder ein Webdienst.
Wer volle Kontrolle und keine Kosten pro Bild will, betreibt Stable Diffusion lokal. Und wer aus einem bearbeiteten Foto einen kurzen Clip machen möchte, findet die Werkzeuge im Beitrag Bild zu Video mit KI.
Kurzfassung: Für Änderungen per Satz Gemini (Nano Banana) oder ChatGPT, für präzise Retusche Photoshop und Firefly, für Kleinigkeiten die Handy-Galerie oder Dienste wie remove.bg. Lokal und ohne Upload: Stable Diffusion und Upscayl. Realistische Manipulationen echter Personen als Deepfake kennzeichnen, Fotos anderer nur mit Einwilligung hochladen.
Im Beitrag erwähnte Tools
Zu jedem Werkzeug gibt es einen ausführlichen Testbericht mit Noten und Preisen.
Adobe Firefly
AdobeRechtlich saubere Bild-KI, die dort sitzt, wo Gestalter ohnehin arbeiten.
Gemini
GoogleDie naheliegende Wahl für alle, die ohnehin im Google-Ökosystem arbeiten.
ChatGPT
OpenAIDer Allrounder mit dem größten Funktionsumfang und dem breitesten Ökosystem.
Le Chat
Mistral AIEuropäische Alternative mit Servern in der EU und offenen Modellen.
Stable Diffusion
Stability AI / Open SourceOffene Modelle für den Betrieb auf eigener Hardware, maximale Kontrolle, maximaler Aufwand.
Jean-Marc Mihoc arbeitet täglich mit KI-Werkzeugen und testet sie hier mit selbst bezahlten Zugängen an echten Arbeitsaufgaben, statt an Demos. Er schreibt auf, was dabei herauskommt, auch wenn es unspektakulär ist, und sagt bei jedem Werkzeug dazu, für wen es sich nicht lohnt.


